Geschichte, Kurzgeschichte, Horror, Toss and Turn

 

Von: anonym

 

15.02.2021

 

Horror

 

Als Hörgeschichte auf YouTube

 

 

 

- Cover von LaSh

Es fühlte sich an, als würde er sich schon seit Stunden hin und her wälzen. Der Schlaf wollte einfach nicht kommen. Wie auch? Sein Oberkörper lag unter ihm auf dem festgeschraubten Tisch und er hatte das Gesicht in seinen verschränkten Armen vergraben. Sein Knöchel juckte. Sein ganzer Körper klebte vom erkalteten Schweiß. Ihm war heiß. Er hatte einen metallischen Geschmack auf der Zunge. So konnte er einfach nicht einschlafen. Die anderen um ihn herum flüsterten darüber, was sie tun wollten. Es war ihm egal. Ihre Worte hallten bedeutungslos in seinem Kopf wider. Er war hungrig. Ihm war, als würde er sich wieder und wieder in seinen Fieberträumen verlieren. Noch am selben Morgen war doch noch alles gut gewesen oder nicht? War er nicht zum Bäcker gegangen und hatte Mettbrötchen für seine Familie geholt? So ein Mettbrötchen wäre jetzt genau das Richtige. Warum war er überhaupt hier? Er versucht sich zu erinnern was passiert war. Er kniff die Augen zusammen, um sich zu konzentrieren, doch sofort zuckte ein gleißender Blitz durch seinen Kopf. Er stöhnte auf. Das Flüstern um ihn herum erstarb. Jetzt konnte er endlich in Ruhe seinen Gedanken folgen. Er erinnerte sich, dass er Angst hatte. Er konnte sich nicht daran erinnern je zuvor Angst gehabt zu haben. Das Gefühl war ihm neu und verwirrte ihn. Wovor hatte er Angst? Hatte er Angst um seine Familie? Hatte er Angst um sich selbst? Die anderen raschelten nervös, als ihm ein Wimmern entfuhr. Die Hoffnungslosigkeit erdrückte ihn. Er wusste nicht mehr warum, aber das Gefühl von Angst und Sorge ließ ihn nicht los. Obendrein verwandelte sich das Jucken langsam in ein richtiges Brennen. Er fühlte sich einfach elend.


Ein vager Gedanke schlich sich in seinen Kopf wie ein kühler Lufthauch an einem feuchtheißen Tag. Sie wollten in eine Bar um sich zu verstecken. Sie wollten in die Toss-Lounge, da dort nie etwas los war und über der Bar ein altes C-14 Gewehr an der Wand hing. Damit wären sie sicher. Ein jähes Pochen in seinem Knöchel riss ihn aus seinen Gedanken. Jetzt konnte er es richtig pulsieren fühlen. So als hätte man sich mit Brennnesseln eingerieben. Oder als hätte eine Pferdebremse ihn gestochen und Blut abgezapft. Wer hätte es ihr verübeln können? Sie war hungrig, er war hungrig. Wenn er könnte würde er das gleiche mit der Pferdebremse machen. Er würde gerne etwas Kaltes trinken. Er konnte den säuerlichen Geruch von Angstschweiß schon riechen, bevor er spürte wie jemand seine Schulter berührte und gab ein Grunzen von sich. Hoffentlich würde ihm das weitere Aufmerksamkeit ersparen.


Er wollte nur etwas essen, vielleicht ein Steak, wie noch gestern Abend. Gestern Abend als er noch mit seiner Frau und seiner Schwester zusammen gekocht hatte. Wo waren die beiden jetzt? Hatten sie es mit ihm in die Bar geschafft? Das Pulsieren in seinem Knöchel wurde immer schlimmer und er sah im Rhythmus des Pochens helle Blitze unter seinen Augenlidern aufflackern. Ihm wurde übel vor Schmerz und Angst und er erbrach sich in seine verschränkten Arme. Es war ihm egal. Er hörte das Murmeln der anderen, als sein Erbrochenes langsam auf den Boden der Bar tropfte. Er hatte nicht mehr die Kraft sich zu kümmern.


Hätte er sich doch bloß nicht die Haut aufgeschürft, als er den Kopf dieses Mannes eingetreten hatte. Die Erinnerung kam über ihn und drängte alle anderen Gedanken in den Hintergrund. Sein Kopf wurde nur noch von dem Gedanken beherrscht, dass er getötet hatte. Es war nicht von Belang, dass er es nur getan hatte um seine Familie zu schützen. Er erinnerte sich, warum er Angst hatte. Er wusste, er würde es wieder tun, aber diesmal nicht um zu beschützen. Die Hand berührte wieder seine Schulter.


Er riss die Augen auf, drehte sich um und biss zu.

 


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