Fantasy, Kurzgeschichte, Geschichte, Elfe, Meriola, Fantasy-Girl, kreatives Schreiben

 

Von: Kathrin Silverlight

 

17.04.2021

 

Fantasy

 

Als Hörgeschichte auf YouTube

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

- Cover von Kathrin Silverlight und LaSh

Der Pfeil raste auf mich zu, blanke Panik stieg in mir auf. Von der voran gegangenen Hetzjagd durch den ganzen Nimmerwald war ich völlig aus der Puste und meine Gliedmaßen streikten vor Erschöpfung. Nun stand ich dort, mitten im Wald mit steifen Muskeln und bebendem Herzen. Und sah dem heran schnellenden Pfeil direkt entgegen, sah wie er genau auf mein Herz gezielt auf mich zu raste. Vor Erschöpfung nicht mehr fähig auszuweichen und zu fliehen stand ich dort, starr vor Angst. Ich schloss meine Augen und versuchte meinen Frieden zu machen.
Plötzlich geschah alles rasend schnell. Es raschelte in den Büschen und Sträuchern neben mir. Ich öffnete meine Augen und sah etwas hervorspringen. Dabei stieß es mich weg und ich fiel. Ein lilafarbener Schleier umhüllte mich. Plötzlich war alles schwarz.

Jemand rüttelte an mir, ich hob den Kopf und schaute in ein Gesicht. Ein Frauengesicht um genauer zu sein, was mich unvermittelt mit gerunzelter Stirn und zusammengezogenen Augenbrauen musterte.
„Was, was ist hier los?“ fragte ich und musterte mein Gegenüber.
Vor mir stand keine Elfe, sie sah merkwürdig aus. Ich erinnerte mich an die Zeichnungen aus meinen Geschichtsbüchern. Sie musste ein Mensch sein. Zwar hatte ich noch nie in meinem Leben einen echten Menschen gesehen, aber sie sah aus wie die Zeichnungen aus meinen Büchern der Völkerkunde. Aber wie konnte das sein?
Menschen lebten nicht in Issuela. Sie wurden vor unzähligen von Jahren vom Rat der Völker verbannt. Damals lebten noch alle Völker im Einklang und Frieden miteinander. Doch die Menschen wurden irgendwann gierig. Anstatt mit anderen Völkern zu handeln, wollten sie lieber deren Ländereien besitzen um die Güter selber herstellen zu können. Immer häufiger begannen sie mit anderen Völkern Fehden und erklärten am Ende sogar Kriege wegen irgendwelcher Besitztümer und Ländereien, anstatt mit allen Völkern im Einklang und Frieden zu leben. Die magische Welt war im Aufruhr. Natürlich gab es immer mal Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Völkern oder innerhalb eines Königreiches. Fehden oder gar Kriege gab es in der magischen Welt bis dahin aber nicht. Aus diesem Grund versammelte sich damals der Große Rat der Völker und verbannte die Menschen, um den Frieden zu wahren. Sie lebten fort an in einer Parallelwelt abgeschottet von der magischen Welt.


Über die Generationen ging das Wissen der Menschen über Issuela und die verschiedenen Völker verloren. Jedoch vergaßen sie wohl nie ganz. Es gab allerhand Mythen und Sagen über Vampire, Elfen, Werwölfe, Nymphen und andere Völker. Was vielleicht auch unter anderem daher rührte, dass unter jedem Volk einige wenige Wesen inmitten der Menschen lebten. So wurde es damals vom Rat beschlossen. Aus jedem Volk wurde eine Familie auserwählt, die als Wächter in der Welt der Menschen weilen sollte, um diese weiterhin im Auge zu behalten. Der Schleier zwischen den Welten sollte so beschützt werden und jede dieser Familien hatte den Auftrag die Menschen von diesem Schleier fern zu halten, damit sie niemals zurück nach Issuela gelangen würden.
Natürlich passten sich die Familien an die Menschenwelt an, jedoch kam es über die Jahrhunderte doch immer mal wieder zu „übernatürlichen“ Zwischenfällen.
Während ich mich noch fragte wo ich war und wie der Mensch nach Issuela gekommen war begutachtete ich meine Umgebung. Menschen, überall wo ich hinsah waren Menschen!
In diesen Moment war es glasklar. Ich war nicht mehr in Issuela, sondern war irgendwie in der Welt der Menschen gelandet.
Die Menschenfrau runzelte insofern das möglich war noch energischer ihre Stirn und blickte mich erwartungsvoll an.
Verwirrt, mit surrendem Schädel und leicht überfordert mustere ich sie. Scheinbar war Geduld bei dieser Frau ein rares Gut. Ich rutschte auf meinem Stuhl hin und her und fasste mir an den Kopf. „Können sie mir sagen wo ich bin?"
Sie schüttelte energisch den Kopf ,,War wohl eine wilde Nacht wenn du nicht mal mehr weißt wo du bist“
Erwartungsvoll schaute ich sie weiter an. Mit noch immer gerunzelter Stirn zuckte sie völlig entnervt mit ihren Schultern „In der Toss Lounge natürlich. Was ist denn los mit dir? So wie du aussiehst warst du bestimmt auf einer sehr abgedrehten Party was? Das letzte Bier war wohl zu viel.“
Sie lachte gehässig und setzte noch hinzu „Also bestellste jetzt was? Ansonsten kannte dich direkt vom Acker machen!“

Ich rieb mir die Augen. Wo war ich hier nur gelandet und warum genau ist der Mensch so unhöflich zu mir. Mit einer Taverne oder ähnlichem hatte diese Stube nichts zu tun.
Mein Schädel surrte und ich versuchte klare Gedanken zu fassen. Da drängte sich eine Frage in den Vordergrund. Warum war ich überhaupt hier? Die Menschen lebten in einer Parallelwelt, wie war ich nur hier her gekommen. Es gab nur wenige Schnittstellen zwischen der magischen Welt und der Welt der Menschen und dessen Aufenthaltsorte wurden strengstens geheim gehalten. Nur wenige Auserwählte kennen die genauen Standpunkte. Außerdem wurden diese Schnittpunkte schwer bewacht und von Magie versteckt. Ich konnte also nicht zufällig durch so eine Schnittstelle hier her gelangt sein! Aber wie dann?
Mein Blick wanderte wieder zu der Frau, die noch immer vor mir stand. Sie sah so fremdartig aus mit ihren kleinen runden Ohren und ihrer doch eher kleinen Statur. Außerdem hatte sie tiefe Furchen im Gesicht, solche merkwürdigen Furchen in der Haut hatte ich zuvor noch nie gesehen. Ob das wohl Narben aus geschlagenen Schlachten waren? Oder waren dies diese Alterungserscheinungen von denen in der Menschenkunde die Sprache war, wie hießen sie noch gleich? Falten? Meine Geschichtslehrerin erzählte uns mal das Menschen im Gegensatz zu uns Elfen altern und irgendwann sterben sie sogar daran, dass ihre Körper durch den Alterungsprozess versagen. Wir Elfen sind da ganz anders, wir sind gewisser Maßen unsterblich, solange wir nicht verwundet werden, leben wir ewig.
Noch während ich mit meinen Gedanken beschäftigt war, raunzte die Menschenfrau los „Wenn du nichts bestellen willst, dann such dir nen anderen Platz um deinen Rausch auszuschlafen, du mittelalterliche Prinzessin und schieb deinen Hintern aus dem Laden. Hier ist nur Platz für zahlende Kundschaft.“
Vor lauter Entsetzen über ihren frechen, aggressiven Ton und den seltsamen Ausdrücken, die sie benutzte, starrte ich sie an und stammelte „ Was, was haben sie denn im Angebot?“
„Na was ist denn nur los mit der Jugend heut zu Tage? Kannst du nicht lesen? Steht alles in der Karte“
Während sie feststellte, dass es auf dem Tisch an dem ich saß keine Karte gab und los zog um eine Karte von einem benachbarten Tisch zu holen, musterte ich sie weiter und mein Blick verweilte als er bei ihrer fremdartigen Kleidung angelangte. Solch eine Kleidung hatte ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen. Diese schrillen Farben und dieser Schnitt. Sehr unelegant. Es schien als hätte sich diese Frau einen senffarbenen Sack übergeworfen, der als Kleid fungieren sollte und diesen Sack dann auch noch mit einer feuerroten Schürze kombiniert. Scheußlich und dreckig sah diese Kleidung aus.
Sie waren so anders als wir Elfen, wir hüllten uns stets in elegante Stoffe, die meist mit Gold verziert oder umsäumt waren. Außerdem zeigten wir gerne unsere makellosen Körper, nicht auf eine anstößige Art, sondern auf elegante Art und Weise. Schließlich waren wir die elegantesten Wesen unter den verschiedenen Völkern und sahen, so sagte man es uns nach, makellos und wunderschön aus.
Plötzlich riss sie mich erneut aus meinen Gedanken, indem sie die Karte vor mir lautstark auf den Tisch knallte und mich daraufhin erwartungsvoll ansah. Sie klatschte in ihre wulstigen Hände und fragte angespannt „Na Prinzessin was darfs denn sein?"
Verunsichert nahm ich die Karte in die Hand und räusperte mich. „Eigentlich habe ich es mir doch anders überlegt. Ich habe weder Hunger noch Durst.“
Jetzt war ihre Geduld wohl völlig am Ende angelangt. Sie riss mir die Karte aus der Hand. Dabei schrie sie mit anschwellendem Kopf „Was fällt dir eigentlich ein Prinzessin? Findest es wohl lustig die hart arbeitende Bevölkerung zu verarschen, was? Verschwinde sofort und lass mich in Ruhe arbeiten. Ich habe genug von solchen Plagegeistern wie dir, unverschämte Jugend“
Ich verstand nur wenig von dem was sie mir sagen wollte. Doch das ich verschwinden soll war deutlich angekommen.
„Na wird’s bald? Oder willst du hier raus getragen werden?“
Unvermittelt sah ich sie an und sie starrte mir mit deutlich errötetem Kopf entgegen.
Ich sollte hier schleunigst verschwinden und herausfinden wo genau ich war und wie zum Teufel ich hier gelandet war. Am besten ohne noch mehr Aufsehen zu erregen.
Auf dem Weg zur Türe dieses merkwürdigen Etablissements, was sich Toss-Lounge Diner nannte, so stand es jedenfalls auf der Karte, die mir diese unhöfliche Frau vorhin vor die Nase warf,  musterte ich nervös die Umgebung. Hier gab es allerhand Dinge, die ich noch nie zuvor in meinem Leben sah. Seltsame gläserne Gefäße hingen an Drahtseilen von der Decke hinunter, was das wohl sollte? Ich kannte ähnliche Konstrukte von Zuhause, jedoch hatten wir in unseren, nebenbei bemerkt viel filigraner gearbeiteten gläsernen Gefäßen, Kerzen zur Erleuchtung der Räumlichkeiten bei Anbruch der Abenddämmerung. Doch auch Kerzen konnte ich nirgends entdecken. Wie bloß erleuchteten diese Menschen ihre Gebäude sobald die Dunkelheit hereinbrach? Ebenso wenig wie Kerzen konnte ich eine Feuerstelle entdecken und dennoch lag der Geruch von Essen in der Luft. Ich fragte mich, wo dieser Geruch wohl her kam und ob diese Stube eine menschliche Version einer Taverne sei.

Überall wo man hinsah standen viele seltsam fremde Möbel herum. Alles sah anders aus als ich es gewohnt war. Alles wirkte fremd und leuchtete in lauter bunten Farben. Knallrote Sitzbänke und Stühle mit silbern glänzenden Beinen, an den Wänden hingen blecherne Bilder in lauter bunten Farben und seltsamen Motiven und Kreaturen, die ich nie zuvor gesehen hatte. Der Boden war mit weißen und schwarzen Fliesen im Schachbrettmuster gefliest.
Hier erinnerte nichts an eine Taverne wie ich es gewohnt war. Zugegebenermaßen waren mir im Grunde alle Tavernen fremd. Meine erste Taverne betrat ich während ich auf der Flucht vor Smirgah war und es waren auch nicht viele bis ich hier landete. Jedoch war dies hier in keinster weise mit den Tavernen, die ich aus Issuela kannte vergleichbar.
Links von mir klirrte etwas und ein penetrantes Piepen erklang. Ich zuckte zusammen. Solche Geräusche hatte ich noch nie gehört. Was das wohl war? Aus einem anderem Raum rief eine dunkle Männerstimme „Service! Ein mal Club Sandwich für Tisch 3“
Die Menschenfrau, die mich zum Ausgang begleitete, um vermutlich auf Nummer sicher zu gehen das ich auch wirklich verschwinde, stand direkt neben mir und schrie in die Richtung aus der die Männerstimme kam „Jaja ich komme, bringe nur noch schnell den Müll raus.“ Dabei schaute sie mich mit einem süffisanten Grinsen an.
Von den fremdartigen Geräuschen verschreckt und zusammengefahren blieb ich stehen und meine Hand glitt instinktartig zu meinem Dolch. Als die Frau dies sah fing sie lautstark zu lachen an und machte sich offensichtlich über mich lustig.
In mir stieg das Gefühl der Empörung auf und ich merkte wie es mir immer schwerer fiel die für Elfen bekannte besonnene Art nicht zu verlieren. Ich wusste nicht wo genau ich war, wie ich hier her gekommen war und ob ich hier genauso in Gefahr war wie noch vor einigen Augenblicken in Issuela. Und zu allem Übel lachte diese Menschenfrau mich auch noch aus.
Issuela, blitzte es mir durch den Kopf. Smirgah, er war hinter mir her. Ob er wohl auch in dieser Welt seine Schergen hatte?
Das Lachen der Frau, was nun verstummte holte mich aus meinen Gedanken zurück in die Situation. Solch ein freches Verhalten war ein ganz neues Erlebnis für mich und ich musste zugeben es gefiel mir gar nicht! Ich schnaubte und dachte mir, wenn sie wüsste wer ich bin würde ihr das Lachen wohl im Halse stecken bleiben. Schließlich bin ich Meriola die Prinzessin und rechtmäßige Thronerbin der Krone des Elfenreiches und dieser nichtsahnende Mensch lacht mich einfach aus. So eine Unverschämtheit!
Wenn meine Lage nicht so prekär wäre und ich nicht auf der Flucht, würde solch ein Verhalten glatt Konsequenzen erfordern. Da sie aber keine Ahnung haben konnte wer vor ihr stand und ich es mir nicht erlauben konnte nun noch mehr Aufsehen zu erregen, ließ ich die Situation über mich ergehen und zog die Hand vom Dolch zurück.
„Jetzt mach keinen Ärger und verzieh dich Mädchen. Mit deinem Plastik Dolch beeindruckst du hier niemanden“ Mit einem Ruck stieß sie mich aus der gläsernen Türe hinaus.


Völlig entsetzt von solch einer Respektlosigkeit, die ich durch meinen familiären Stand nicht gewohnt war, stand ich verdutzt dort und wusste nicht wie mir geschah. In diesem Moment prasselte eine Flut von Lärm und fremden Eindrücken auf mich herein.
Überall fremde Geräusche und skurrile Dinge. Blecherne Gefährten, die einer Kutsche entfernt ähnelten, fuhren lärmend und qualmend durch die Gegend. Der Boden war hart wie aus Stein, sah jedoch nicht gepflastert aus. Wie seltsam das alles war. Dachte ich doch der Geschichtsunterricht hätte mir einen guten Eindruck über die Menschenwelt gegeben. Doch hier war nichts wie in den Büchern beschrieben.
Es war schrecklich, der ganze Lärm und Gestank ließ mich keinen klaren Gedanken fassen.
Gegenüber entdeckte ich eine Art Garten. Es war wohl wie ein öffentlicher Park, denn es gab ein großes Eingangstor und es liefen einige Menschen ein und aus.

 

Endlich etwas annähernd bekanntes. Hektisch und getrieben von Angst und Überforderung lief ich hinüber zu dieser Anlage in der Hoffnung dort einen ruhigen Platz zu finden an dem ich die Natur und deren natürliche Magie spüren konnte und vielleicht zu klaren Gedanken kam. Ich musste herausfinden wo ich war und wie ich wieder zurück nach Issuela kommen konnte.
Elfen beherrschten ein wenig Magie. Auch wenn es doch die schwächste Form der Magie war, denn wir konnten mit ein wenig Übung die Magie aus der Natur ziehen und die für uns nutzen. Es waren keine großen Zauber möglich, jedoch konnten wir zumindest kleinere Zauber wirken. Um herauszufinden wo genau ich war und was gerade in Issuela geschah würde diese Art der Magie reichen. Ich müsste nur eine Wasseroberfläche finden. Denn die Wasseroberfläche konnte, wenn man denn wusste wie, wie eine Art Spiegel dienen. Dort konnte man dann sehen, was man zu sehen verlangte, allerdings war dies sehr eingeschränkt, denn man konnte nur Orte beobachten, die man kannte und Dinge sehen, die sich nicht versteckten. So konnte man niemanden beobachten, der es nicht wollte und nur die Orte die man selber kannte.
Allerdings gab es einen Grundstock an Informationen, die man immer abrufen konnte. Wie zum Beispiel der eigene aktuelle Standort und auch alles Wissen, das man sich über Bücher oder Erzählungen aneignete. Dementsprechend sollte es reichen um herauszufinden wo ich war und wie ich zu einer der Wächterfamilien gelangen konnte, die mir hoffentlich weiterhelfen würden wieder zurück nach Issuela zu gelangen.
Denn ich musste schnellstmöglich wieder zurück, schließlich muss ich den Rat der Völker erreichen, um die Machenschaften Smirgahs aufzuhalten und meine Eltern zu befreien. Das war meine oberste Priorität!

Meine Eltern... Die Erinnerungen prasselten wie ein heftiger Regenschauer auf mich ein.
Smirgah, der Name hallte in meinen Gedanken nach. Unaufhaltsam stiegen mir die Tränen in meine Augen. Meine Eltern, ob sie wohl noch lebten? Das letzte woran ich mich erinnern konnte war das meine Zofe Elisah mir zur Flucht verhalf, nachdem Smirgah mit seinen abtrünnigen Magiern das Schloss stürmte. Daran durfte ich jetzt nicht denken. Ich versuchte die Erinnerungen für den Moment wieder abzustreifen und meine Gefühle wieder in den Griff zu bekommen. Schließlich war es nicht die richtige Zeit für Rührseligkeiten. Ich musste stark bleiben, wenn ich es bis zum Rat schaffen wollte. Ich durfte mir keine Unachtsamkeit erlauben. Als ich an mir herunter schaute betrachtete ich einen Moment die provisorische Lederrüstung, die ich trug. Ich hatte sie mir auf der Flucht vor Smirgah und seinen Schergen in Ondo Caras gekauft, da sie deutlich praktischer und unauffälliger war als das goldbestickte Seidengewand, das ich zuvor am Leibe trug. Sie passte nicht hier her, ich sollte mir passendere Kleidung besorgen, wenn ich nicht noch mehr auffallen möchte als es in dem Diner sowieso schon geschehen war.
Doch zuerst musste ich einen See oder einen Teich finden. Es sollte nicht so schwierig sein ein stehendes Gewässer in diesem großzügigen Park zu finden. Ich folgte dem mit Schotter vorgegebenen Weg. Solche Wege enden doch immer an Gewässern oder führen zumindest an welchen vorbei. Das musste doch auch in der Menschenwelt so sein. Schließlich hat Wasser eine so starke magische Ausstrahlung, dass es alles Leben anzieht. Egal ob man die Magie dahinter wohl erkennen kann oder nicht.
Für einen kurzen Moment schweiften meine Gedanken erneut ab und ich dachte an meine Eltern und den letzten Moment im Schloss. Wie Elisah rein gestürmt kam und mich anflehte so schnell wie ich konnte zu fliehen. Moment, ich erinnerte mich wieder! Sie erzählte mir, dass Smirgah mit Gewalt in das Schloss eingedrungen sei und meine Eltern im Thronsaal gefangen nahm. Außerdem erzählte sie mir, dass Theodor sie gefunden hatte und sie schickte, um mich zu warnen und mir bei der Flucht zu helfen.
Ich sollte fliehen und untertauchen. Er würde mich aufspüren und sobald er sicher sei, dass es keine Gefahr darstellen würde, würde er zu mir stoßen.

Die königliche Leibgarde bestand aus einer Herde Zentauren und eine Gruppe begabter Magier und  Theodor war der Anführer der königliche Zentauren Herde. Er war der treueste und längste Wächter unserer Familie. So weit ich mich erinnern konnte war er immer da. Es erschien mir manchmal als wären meine Eltern und er ewige Jahre lange Freunde. Theodor diente meinen Eltern bereits vor meiner Geburt und hat stets gute Dienste geleistet. Er war immer in meiner Nähe während ich aufwuchs. Manchmal fühlte es sich fast so an als würde er zur Familie gehören. Wie ein entfernter Onkel oder so etwas in der Art. Er war über die Jahre zu einem meiner engsten Vertrauten geworden.
-Theodor-, schoss es mir durch den Kopf. Oh nein, Theodor, er war dort, dort im Wald als die Schergen Smirgahs mich fanden und jagten. Er musste es wohl geschafft haben aus dem Schloss zu entkommen und mich wie versprochen aufgespürt haben.
Auf Theodor ist halt immer Verlass. Ich erinnerte mich wieder. Er kam aus dem Gestrüpp gesprungen und stieß mich im Sprung zur Seite. Ich fiel und um mich herum war eine Art lila Wolke. Es muss wohl ein Portal gewesen sein.
Wenn Theodor dort war muss die königliche Magier Garde hinter diesem Portal stecken. Sie mussten mich aufgespürt haben und schickten mich hier her, um mich zu retten.
In diesen Gedanken versunken lief ich nur noch unbewusst umher ohne meine Umgebung weiter zu betrachten. Meine Gedanken waren doch zu fesselnd und erdrückend.
Wenn er noch am Leben war, hieß es dann, dass meinen Eltern vielleicht auch noch am Leben waren? Waren sie vielleicht sogar auch aus dem Schloss entkommen?
Ich musste zurück, komme was wolle. Ich musste zurück nach Issuela und herausfinden ob sie noch lebten.

Von alleine stellten meine Beine das Laufen ein und ich blieb stehen. Ich nahm war, dass ich vor einem kleinen versteckten See stand. Dieser Ort war wunderschön. Es fühlte sich an wie das Gefühl, das man an einer Lichtung im Wald bekam. Wenn alles vom Sonnenlicht erfasst wird und die vielen bunten Farben des Waldes hervortreten und dessen Bewohner sichtbar werden. Dennoch ist es gleichzeitig ganz still. Alle Geräusche sind gedämpft und man bekommt dieses Gefühl von wohliger Abgeschiedenheit.
Der See war komplett umwachsen mit Büschen und Bäumen und überall wucherte die Natur. Es sah nicht aus als gehörte dieser Ort noch zu dem Park durch den ich vorhin noch lief. Dort war alles so akkurat und in Form gebracht. Doch hier war es so anders. Die Natur beherrschte diesen Ort. Alles wucherte und blühte wie es gerade wollte und überall waren Tiere und Insekten zu entdecken. Ein Rotkehlchen, das unweit von mir auf einem Ast saß, zwitscherte mir entgegen und ich konnte einige Hasen und Eichhörnchen entdecken, die durch das Unterholz der Büsche flohen als ich mich näherte.
Ich konnten nicht mal sagen wie ich hier her gefunden hatte. Ich war so in meinen Gedanken versunken, dass ich einfach lief.
Zwischen den Ästen der riesigen Bäumen drangen kleine Lichterkegel hindurch, die auf den See fielen und dort auf der Wasseroberfläche tanzten. Dieser Ort wirkte so natürlich und unbelassen, dass die Magie ganz deutlich zu spüren war. Sie prickelte förmlich auf meiner Haut. Es fühlte sich an wie der Wald am Schloss durch den ich immer so gerne spazierte. Hier würde die Magie der Natur und der Elemente stark genug sein, um mein Vorhaben umzusetzen.
Ich lief zum Ufer. Als ich dort ankam und direkt am Wasser stand versteifte sich mein Blick als ich mein Siegelbild im See erblickte. Mit dieser provisorischen Lederrüstung und den zerzausten Haaren. Die Flucht und die vergangene Hetzjagd hinterließ ihre Spuren. Ich sackte auf meine Knie und konnte die kurzweilig unterdrückten Tränen nicht mehr aufhalten. Sie liefen mir unaufhaltsam über die Wangen und bahnten sich ihren Weg über mein Kinn hinunter in das Ufer des Sees. Ich weinte dort heiße Tränen um meine Eltern, das Reich der Völker aus dem ich gerissen wurde und um mein bisheriges Leben, das verloren schien.
Denn ich war jetzt auf der Flucht und Smirgahs Schergen waren mir sicherlich dicht auf der Spur. Würde ich es wohl schaffen wieder zurück zu kehren und meine Eltern wiederzusehen?


Hat dich die Geschichte gepackt? Hast du Lob oder konstruktive Kritik? Über dein Feedback würden wir uns sehr freuen. Gerne kannst du meinem Discord joinen, auf Facebook vorbeischauen oder eine Email an toss-lounge@gmx.de schicken.