Von: Tim (aka LaSh)

 

Fantasy

 

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Schnee wurde bei jedem Tritt der mächtigen Hufen aufgewirbelt. Unerlässlich stapften die Pferde durch den tiefen Schnee, der den Pfad und die gesamte Landschaft um die Reiter herum bedeckte. Müde und frierend zog Besnik die Schultern hoch und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen. Seine Beine brannten und ihm graute es schon jetzt sich am nächsten Morgen wieder auf das stolze Tier zu schwingen. Er versuchte mit einer Hand seine Augen vor dem Schnee zu schützen, um besser sehen zu können. Der Schneefall hatte in den vergangenen Stunden zugenommen. Dicke Flocken segelten vom Himmel und gaben der Welt um ihm herum ein tristes und eintöniges Bild. Ein eindeutiges Zeichen, dass nun die schwierigsten Zeiten des Jahres begannen. 

 

Besnik duckte sich unter einen kahlen Ast als sie langsam an einem mächtigen Baum vorbeiritten, dessen Zweige stur und dunkel empor ragten. Es wird noch viele Monate dauern, bis sie wieder zu ergrünen beginnen und sich die Landschaft von einer trost- und scheinbar endlosen Welt, in einen einladenden Ort voller Leben verwandeln würde. Gerade als Besnik versuchte sich an die warmen Sonnenstrahlen zu erinnern, die ihn während der Feldarbeit bräunten, blieb die Reiterin vor ihm stehen. Sie hatte zum Zeichen des Halts ihre rechte Faust erhoben. Besnik tat es ihr gleich und hielt mit seiner Linken, die bereits starr vor Kälte war, die Zügel umklammert. Schnaubend kam sein Pferd zum Stehen, das nicht zu verstehen schien, warum man bei solchen Wetter stehen bleiben sollte. Besnik tätschelte beruhigend den Hals des Pferdes und stimmte ihm innerlich zu. Als er wieder hoch schaute, sah er Remus, den Anführer ihrer Gruppe, wie er trabend ihre kurze Reihe entlang ritt. Er saß aufrecht und kräftig im Sattel, bewegte sich passend zum Rhythmus seines Pferdes, und machte den Eindruck, als ob er gerade von einem Ausritt in die Weinberge an einem heiteren Sommer Nachmittag heimkehrte.

"Spürt dieser Mann denn keine Kälte" dachte Besnik beklommen, als er seine tiefe Stimme hörte. "Wir erreichen in einer Meile unseren Zielort! Heute werden wir uns bei Sonnenuntergang an einem Kamin wärmen können!" Er grinste Besnik aufmunternd zu, als er an ihm vorbei ritt. Remus nickte prüfend dem letzten Reiter in der Gruppe hinter Besnik zu, wendete elegant sein Pferd und verschwand wieder vor ihm im Schneegestöber. Als ob sie ihn verstanden hätten, schienen die Pferde ein baldiges Ende des Ritts zu spüren und setzten mit neuer Kraft ihren Weg fort. Auch Besnik schien mit dem nun klaren, naheliegenden Ziel vor Augen an Energie zu gewinnen und meinte sogar kurz seinen linken Fuß wieder gespürt zu haben. 

 

Wenig später erreichte die Gruppe den versprochenen Ort. Auf einer leichten Erhebung stand eine längliche Hütte, die direkt anliegend sogar einen Unterschlupf für die Pferde bot. Hinter der Hütte erstreckte sich eine weite und karge Ebene, wie Besnik wusste, doch durch den dichten Schneefall konnte man kaum bis zur Hütte selbst sehen. Keuchend stieg Besnik von seinem Pferd, nachdem sie das letzte Stück ihres Weges zurück gelegt hatten. Er stürzte halb, da ihn seine Beine nicht ganz tragen wollten und brauchte einen Moment, um seine Gliedmaßen an richtiger Stelle zu wissen. Erschöpft führte er sein Pferd zu einer überdachten Tränke, in der das Eis schon durchschlagen worden ist und legte ihm etwas trockenes Heu parat. Es musste sich ähnlich fühlen wie er, dachte Besnik und tätschelte dankbar den Hals des Pferdes, bevor er sich in Richtung Eingang der Hütte abwandte. Er hatte Glück gehabt und bei ihrer Abreise ein tolles Tier zugeteilt bekommen. Er wollte ihm einen Namen geben und hielt "Fengur", wie einst ein heldenhafter Hengst aus einer Geschichte in seiner Kindheit, für sehr passend. 

 

Nach wenigen Schritten gesellte sich der älteste Mann ihrer kleinen Gruppe zu ihm. Aurin war an letzter Position hinter ihm geritten und die beiden waren bisher noch nicht dazu gekommen Worte zu wechseln. Erschöpft strich er sich durch seine schulterlangen, weißen Haare auf denen die Schneeflocken kaum zu erkennen waren und blickte zu Besnik. 

"Du behandelst dein Pferd sehr anständig. Das ist weise. Denn wenn die Reise nicht mehr so angenehm verläuft wie bisher und es Gefahren zu überwinden gilt, wird es sich erinnern wer auf seinem Rücken sitzt und sich entsprechend entscheiden, ob es sich lohnt für ihn diese Gefahren einzugehen."

"Ich kann kaum glauben, dass dies der angenehme Teil sein soll." antwortete Besnik spöttisch und ergänzte selbstbewusst: "Fengur ist ein beeindruckendes Pferd, ich bin stolz und dankbar ihn reiten zu dürfen."

Aurin hob für einen Moment überrascht die weißen Augenbrauen und klopfte ihm dann freundschaftlich auf die Schulter. Gemeinsam gingen sie auf die einladende Hütte zu und freuten sich auf die trockene Wärme.

 

Während draußen die Dunkelheit Stück für Stück die vereinzelten kahlen Bäume vereinnahmte, sorgte das Feuer im Kamin und einige Kerzen für ein angenehmes Licht in der Hütte. Nun saßen die fünf Reiter erschöpft beisammen, während sie ihre Rationen aßen. Für Besnik war dies die erste Gelegenheit seine Begleiter in Ruhe zu betrachten. Neben ihm hatte Aurin Platz genommen. Sein weißes Haar und die tiefen Falten im Gesicht ließen auf ein fortgeschrittenes Alter schließen, doch seine schlanken Hände bearbeiteten ruhig und mit verborgener Kraft das harte Brot. Am Kopf des alten Holztisches saß Remus. Er verströmte eine natürliche und erfahrene Autorität auch ohne etwas zu sagen. Zu seiner rechten hatte Nisha Platz genommen. Sie war die Reiterin vor Besnik gewesen und ist eine Heilkundige aus der Akademie. Trotz ihres noch jungen Alters, soll sie schon viele Reisen unternommen haben und hatte den Ruf ein ausgezeichnetes Talent zu sein. Der letzte im Bunde war Vasco. Ein typischer, draufgängerischer Krieger, der sehr von seinen Fähigkeiten überzeugt war. Bisher machte er aber einen recht sympathischen Eindruck auf Besnik.

Prüfend blickte Besnik in die Gesichter seiner Begleiter. Dies werden seine Gefährten für die kommenden Herausforderungen sein. Zufrieden stellte er fest, dass sich die Gruppe gut zu ergänzen und ein jeder in seinem Aufgabengebiet erfahren zu sein schien. Nur Besnik selbst fragte sich noch wie er wohl von Nutzen sein konnte. Schließlich war er nur ein einfacher junger Mann vom Land, ein Bauer. Wie jedes Jahr zum Ende des Herbst zogen die Bauern und Bewohner der etwas abseits gelegenen Orte gemeinsam hinter die schützenden Verteidigungsanlagen der Hauptstadt Lasikus. Die Stadt zog sich weit in eine große Kluft eines riesigen Gebirges. Durch den Schutz der Felsen im Rücken und zu den Seiten war sie leicht zu verteidigen. 

Vor den Toren von Lasikus, in den flachen Ausläufern des Gebirges, gab es viele Bauern und zahlreiche kleine Ortschaften. Doch momentan, im Winter, waren sie alle verlassen. Kaum jemand traute sich während der dunklen und kalten Jahreszeit außerhalb von Lasikus aufzuhalten, denn die niedrigen Temperaturen und das Wetter waren bei weitem nicht die größten Gefahren. 

Die Bauern versorgten die Stadt mit Vorräten für den harten Winter und erhielten im Gegenzug Zuflucht. Besnik war mit seiner Familie einer von ihnen. Doch in diesem Jahr war er auserkoren worden die Besatzung des äußeren Rings zu verstärken. Immer wieder wurden belastbare junge Männer rekrutiert. Sie wurden den in den Akademien ausgebildeten Gruppen zugewiesen, um sie während des Winters bei ihren Aufgaben zu unterstützen. So kam es das Besnik nun in der Gruppe unter der Leitung von Remus gelandet war. Ihre Aufgabe war es ein bestimmtes Gebiet zwischen Lasikus und des äußeren Rings zu erkunden und zu kontrollieren. Der äußere Ring hielt die meisten Gefahren des Winters ab. Doch es kam immer wieder vor, dass sich in den Zwischenbereichen Vorfälle ereigneten, die äußerst beunruhigend waren. Wie konnte es zum Beispiel sein, dass ganze Ortschaften nach Ende des Winters abgebrannt und völlig verfallen vorgefunden wurden? Oder dass Menschen, die sich mutiger- und vor allem dummerweise den Winter über nicht nach Lasikus zurückzogen, spurlos verschwanden. Nicht einmal Leichen konnten gefunden werden. Unter diesen Umständen war es nicht weiter verwunderlich, dass schnell Mythen, Geschichten und Märchen über Ungeheuer und Monster entstanden sind, die dort aus den Schatten heraus ihre Opfer fingen. Besnik neigte noch nie dazu diesen Geschichten zu viel Glauben zu schenken. Doch eines war klar: Aus irgendeinem Grund ist es sehr gefährlich sich im Winter außerhalb von Lasikus aufzuhalten. So wie die fünf Reiter es nun taten!

 

Während des Essens verhielten sich alle sehr still. Die Erschöpfung der Gruppe war offensichtlich und als alle ihre Rationen verspeist hatten, teilte Remus die Wachen für die Nacht ein. Nisha und Aurin bereiteten ihre Nachtlager vor, während Vasco sich seinen Schwertgurt um die Hüfte legte und nach draußen stapfte, um nach den Pferden zu sehen. Remus breitete seine Ausrüstung auf dem großen Tisch aus und reinigte sie behutsam. Nur Besnik saß noch da und wusste nicht so recht wo hin mit sich. Er wusste, dass er ganz bestimmt noch nicht schlafen konnte, obwohl er die Müdigkeit in seinem Körper spürte. Die Gruppe gab ihm ein Gefühl der Sicherheit, doch nun wo sich alle zurückzogen, erinnerte er sich daran, dass er diese Menschen erst seit rund zwei Tagen kannte. Sie übernachteten in einer Hütte im Nirgendwo, während der Winter bereits einzog und sie mit seinen Gefahren eindeckte. Nein, vor genügend Entspannung, um einschlafen zu können, war er weit entfernt.

"Du hast dich heute gut geschlagen." 

Remus riss ihn aus seinen Gedanken. Er polierte sein Schwert und schien Besnik schon eine Weile zu beobachten. Als Besnik nicht antworte und ihm nur unsicher in die Augen schaute, fuhr Remus fort.

"Ich führe schon seit vielen Wintern Erkundungsgruppen wie unsere hier hinaus. Und ich hatte schon einige neue Rekruten dabei. Ich kann dir also sagen, dass du dich heute gut geschlagen hast. Du bist ein guter Reiter und bist schlau genug, dich nicht trotz deiner Unerfahrenheit aufzuspielen und falsche Fertigkeiten vorzutäuschen." ruhig fuhr Remus mit einem feinen Stofftuch immer wieder über die Klinge seines Schwertes. "Die erste Nacht ist nie einfach. Du wurdest einer gefährlichen Aufgabe zugewiesen und kennst noch nicht einmal deine Begleiter. Während des Tages bist du beschäftigt und widmest dich deiner neuen Herausforderung. Doch nun sollst du zur Ruhe kommen und dich schlafen legen, während draußen tausend Gefahren lauern? Dagegen wird sich dein Körper wehren. Zumindest ging es mir so, als ich das erste mal hier war." Ohne aufzublicken legte er sein Schwert beiseite und widmete sich seinem Dolch. Besnik war beeindruckt wie genau Remus seine momentane Gefühlslage traf.

Etwas verunsichert fragte Besnik "Mir ist nicht ganz klar, wie ich euch von nutzen sein kann. Warum sollten Bauern wie ich kriegerisch ausgebildete Gruppen begleiten. Ich weiß, dass dies eine Bedingung der Zuflucht Lasikus ist, aber inwiefern kann ich einer Gruppe wie unserer hilfreich sein?"

Remus hielt kurz inne, tauchte das Tuch ganz leicht in eine ölige Masse während ein kurzes Lächeln über seine Gesicht huschte. Dann begann er wieder mit dem Stoff monoton über die Klinge seines Dolches zu fahren.

"Gib dir und uns ein bisschen Zeit, Besnik. Du hast dich heute gut geschlagen. Wir werden einen Tag nach dem anderen angehen, nur so kommen wir durch den Winter. Und bald wirst du merken, dass wir nicht einfach zufällig Bauern auswählen, um uns zu begleiten." Remus richtete sich auf und legte den Dolch beiseite. Väterlich schaute er Besnik fest in die Augen "Handle wie es dir deine Instinkte nahelegen und nutze deinen Verstand. Mehr fordere ich nicht von dir." Gerade als Besnik verwirrt zu einer Antwort ansetzen wollte, rief Remus Aurin heran, der gerade dabei war sich auf sein Bett zu legen, welches aus einer einfachen Strohmatte bestand.

"Du hast doch sicherlich etwas Selinkraut für unser neuestes Mitglied übrig?"

Grinsend griff Aurin in eine seiner Taschen, die er ordentlich neben seiner Matte aufgereiht hatte und holte ein kleines Bündel Kräuter hervor.

"Ich vergesse manchmal, wie sich eine erste Nacht abseits des Bekannten anfühlen muss." gab er zu und legte die Kräuter in ein kleines Sieb, welches er aus einer anderen Tasche zauberte. Ruhig und gelassen ging er zum Feuer, um noch etwas von dem aufgekochten Schneewasser zu holen und schüttete es über die Kräuter in einen Becher. 

"Trink es solange es noch heiß ist und dann rate ich dir dich schleunigst hinzulegen, damit du nicht am Tisch einschläfst." Aurin zwinkerte Besnik zu und machte sich wieder auf den Weg zu seiner Strohmatte. 

 

Besnik griff mit seiner Hand in den Schnee. Doch etwas stimmte nicht. Der Schnee fühlte sich nicht kalt an. Er nahm seine Hand wieder heraus und betrachtete sie. Panik stieg in ihm auf. Seine Haut hatte sämtliche Farbe verloren. Nur blau-schwarze Linien kräuselten sich seinen Arm empor. Sein Körper erhob sich, schaute in die Ferne und sah wie sich ein gewaltiger Schneesturm zusammen braute. Unglaublich schnell zog der Sturm ihm entgegen, doch anstatt Angst empfand er Freude. Er begann zu lachen, legte den Kopf in den Nacken, streckte die Arme aus und der Sturm brach über ihm zusammen.

 

Keuchend wachte Besnik auf. Ihm war eiskalt, er zitterte am ganzen Körper und sah aus als ob ihm übel wäre. Nisha saß im Schneidersitz neben ihm und betrachtete ihn eindringlich. Dann sagte sie tonlos "Guten Morgen.".

Besnik versuchte sich aufzurichten und blickte sie verwirrt an. Heiser und etwas mürrisch antwortete er "Wenn du mich eh schon beobachtest, hättest du mich ruhig aus diesem Alptraum aufwecken können".

"Ich denke nicht, dass ich das hätte tun sollen." mit diesen Worten stand Nisha auf und ging zum Tisch, wo die anderen sich schon versammelt hatten und etwas aßen. Verspannt und immer noch mit einer tiefen Kälte in sich stand Besnik auf und gesellte sich zu ihnen. Das Kraut von Aurin schien gut gewirkt zu haben. Besnik konnte sich kaum noch erinnern, dass er vom Tisch aufgestanden war, geschweige denn, dass er sich hingelegt hätte. Ob dieser unangenehme Traum dadurch entstanden ist?

"Du musst wissen, dass Nisha Träumen eine sehr große Beachtung widmet." begrüßte ihn Remus. Mit einem kurzen Blick auf Nisha fuhr er fort "Deswegen hat sie mich gebeten, dich zu fragen, was du geträumt hast. Möchtest du es uns erzählen?" Die anderen am Tisch wirkten auf den ersten Blick desinteressiert und mischten sich nicht in das Gespräch ein. Doch als Besnik mit dem Erzählen begann, bemerkte er die neugierigen Seitenblicke aller Gruppenmitglieder. Als er die Erzählung seines Traums beendet hatte, breitete sich Stille im Raum aus. Remus war der erste, der die Stille brach "Nun, das ist definitiv ein höchst interessanter Traum.".

"Höchst interessant?" Vasco blickte nervös in die Runde "So etwas sollte man nicht träumen. So etwas ist nicht interessant, sondern gefährlich. Verdammt gefährlich!" Er legte sein Stück Brot aus der Hand und stand entschlossen auf "Ich bereite die Pferde vor, wir müssen schnellstmöglich los.". Damit schien für ihn die Sache erledigt zu sein und er stürmte aus dem Raum. Argwöhnisch guckte Besnik zu Remus. Er hatte damit gerechnet, dass der Anführer der Gruppe Vasco beruhigen und zurückpfeifen würde. Aber er tat nichts dergleichen, stattdessen trank er seinen Becher aus, nickte Nisha zu und sagte "Genug geplaudert, danke Besnik, dass du uns an deinem Traum hast teilhaben lassen. Wir sollten uns nun wirklich auf den Weg machen." An Besnik gewandt fuhr Remus fort "Ich bin mir sicher, dass du Fragen hast, Aurin wird sie dir während des weiteren Marschs beantworten."

Etwas überrumpelt packte Besnik die wenigen Sachen, die er hatte zusammen und beeilte sich den anderen nach draußen zu folgen. Als er aus der Tür trat, fiel sein Blick zuerst auf Vasco, der fluchend und sichtlich nervös die Pferde von ihrem Unterstand los machte und sie für den Ritt vorbereitete. Remus und Nisha erblickte er ein Stück abseits, sie schienen zu diskutieren und schauten immer wieder in Richtung der offenen Ebene, die für Besnik noch durch die Hütte verborgen lag. Er spürte, dass etwas in der Luft lag als er nach draußen trat. Die Reaktion der anderen auf seinen Traum und ihr nun merkwürdiges Verhalten ließen Besniks Herz schneller schlagen. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht. Als er endlich freien Blick auf die Landschaft hatte und schon fast bei Remus und Nisha angekommen war, drehte Besnik sich um. Und da sah er es. Genau wie in seinem Traum. Ein riesiger Sturm zog am Horizont auf und nahm drohend den Himmel für sich ein. Panisch riss Besnik sich seinen Handschuh von der Hand und starrte sie an. Hektisch drehte er sie hin und her, aber er konnte nirgends blau-schwarze Linien auf ihr erkennen. Besnik beruhigte sich etwas in Anbetracht seiner normal aussehenden Hand und mahnte sich zur Konzentration. Er schloss für einen kurzen Moment seine Augen, atmete tief durch und nahm nun wieder seine Umgebung wahr. Vasco hatte bereits die Pferde an den Zügeln und führte sie in Richtung der anderen. Remus und Nisha schienen ihre Diskussion beendet zu haben und liefen entschlossen Vasco entgegen. Aurin hatte sich bereits vollständig eingehüllt und sich auf sein Pferd geschwungen, scheinbar bereit dem Sturm zu trotzen. Ein dickes Tuch bedeckte den Großteil seines Gesichts, seine Augen waren auf Besnik gerichtet und er winkte ihn herbei. Endlich kam wieder Bewegung in Besniks Beine und er rannte Fengur entgegen. Jetzt nahm er auch die Folgen des gestrigen Ritts wahr und versuchte nicht laut auf zu stöhnen als er sich mit schmerzenden Beinen in den Sattel hob. 

Die kleine Gruppe war bereit für den Aufbruch, doch Remus hob noch einmal die Stimme "Wir haben eine kleine Planänderung. Wir werden versuchen den Sturm zu entgehen. Ich kenne einen alternativen Weg zu unserem Zielort. Der wird uns mehr Zeit kosten, aber wir müssen einer direkten Konfrontation dringend ausweichen bis wir den äußeren Ring erreicht haben. Ab jetzt wird es ernst! Besnik, halte dich an Aurin. Nisha du reitest hinten, Vasco und ich voran. Augen auf!".

Nach dieser Ansprache war der Rest von Besniks Ruhe verschwunden. Sein Puls raste als Fengur sich in Bewegung setzte. Hatte Remus gerade "Konfrontation" gesagt? Eine merkwürdige Art und Weise von einem Sturm zu sprechen. Besnik war klar, dass es hier um mehr als nur um einen Sturm ging und er hatte von ihm geträumt. Jeden einzelnen Wolkenzipfel hatte er in dieser Nacht bereits gesehen. Er hoffte inständig, dass der unnatürliche, farblose Körper mit diesen grausamen Linien auf der weißen Haut im Gegensatz zum Sturm nicht real war. Doch die Art und Weise wie Aurin nun an seiner Seite ritt und ihm prüfende Blicke zuwarf, ließ Besnik das Schlimmste erwarten.

 


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